Krautwische, eine besondere kirchliche Tradition
Wunderschön, wie alles grünt und blüht. Mancher Garten wirkt in seiner Blüten- und Kräuterpracht wie ein Paradies. Und doch, alles nur vorläufig, alles vergänglich. Irgendwann sind die Blumen verwelkt, die Kräuter geerntet, und dann? Kein Paradies mehr?
Mitten im Sommer, in dem wir diese vorläufige, vergängliche Fülle des Lebens erfahren, feiert die Kirche das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Da werden dann Kräuter und Blumen zu sogenannten Krautwischen gebunden und gesegnet.
Eine ganz besondere Tradition der Kirche. Traditionen geben vielen Festtagen und Festzeiten ein besonderes Gepräge. Und auch wenn man nicht mehr um den Hintergrund vieler Traditionen weiß, man pflegt sie weiter. Sie werden dann im besten Fall zu einer besonderen Art von Folklore. So geht´s zum Beispiel dem Weihnachtsbaum, so geht´s den Ostereiern.
So geht´s auch den Krautwischen, die zum Fest der Himmelfahrt Mariens seit alters her gebunden und gesegnet werden: Die gesegneten Kräuter sollen gegen Gewitter, Blitzschlag und Krankheiten helfen. – Folkore, – magisches Ritual? Oder doch etwas mehr.
Es soll auf jeden Fall ein Hinweis darauf sein, dass uns allen der Himmel blüht.
Dieser Brauch der Krautwische geht auf eine alte Legende zurück: Als Maria gestorben war, kamen die Jünger an ihr Grab und öffneten es. Doch anstatt des Leichnams fanden sie Blüten und Kräuter. Maria ist nicht im Grab.
So versuchte die Legende den Glauben auszudrücken, dass Maria nun ganz bei Gott ist, dass sie, als Erste der Erlösten mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde.
Die Blumen und Kräuter im Grab sollten daran erinnern, dass wir alle zur selben Herrlichkeit und Ehre wie Maria berufen sind. Sie weisen sozusagen auf das Paradies hin, das jenseits der Vergänglichkeit ist, der Blumenstrauß, der mir sagt, wie wertvoll der Mensch in den Augen Gottes ist, und Heilkräuter, die hinweisen auf das Leben in Fülle, das mir angeboten wird.
Ihnen allen eine gesegnete Zeit. Und möge das Genießen der sommerlichen Blütenpracht ein Vorausgeschmack sein für den Himmel, von dem der heilige Franziskus sagt, er sei das Genießen Gottes selbst. Ihr Pfr. Joh. Jaax
